Vereinsgeschichte

Traditionsfigur und Vereinsname

Der Vereinsname KIKIRIKI hat seine eigene Geschichte. Für viele, die den Namen hören oder lesen, mag er wohl recht sonderbar erscheinen, doch sollte man folgende Entstehungsgeschichte kennen:

„Als man die Gründung des Vereins beschloss, galt es einen Namen für denselben zu finden. Die Gründungsmitglieder müssen wohl feuchtfröhlich beisammen gewesen sein und über einen Namen nachgedacht haben. Als man die ganze Nacht zu keinem Entschluss kam und morgens der Hahn dreimal krähte, entschied man sich dafür, dem Verein den Namen KIKIRIKI zu geben.“

Noch heute bestimmt dieser Name das Geschehen in und um den Verein. Das Krähen wurde zum Traditionszeichen, zum heutigen „Schlachtruf“ und der Hahn zur Traditionsfigur im Freiensteinauer Karneval.

Gründungs- und Vereinsgeschichte

In der Woche vor Fasching, am Mittwoch den 13. Februar 1901 trafen sich einige unserer Urgroßväter, um anlässlich der bevorstehenden Fastnacht einen Verein zu gründen, der nach den Statuen „Die Fastnachtszeit hoch zu halten und den Karneval festlich zu begehen“ hat. Hierbei traten 35 Mitglieder dem bislang ersten Verein dieser Art im Vogelsberg bei. Aus ihren Reihen wählten sie den ersten Vorstand des Vereins. Dieser bestand damals aus drei Personen, dem 1. Vorsitzenden Urban Hausmann, dem Rechner Wagner und dem Schriftführer Heinrich Diemer. Weiterhin benannte man Heinrich Greulich 5. zum Diener. Da jeder Verein auch einen eigenen Namen benötigt, nannte man diesen „Kikiriki“, der bis heute noch mit der Symbolfigur des Hahns die Geschehnisse prägt.

Gleich in diesem Gründungsjahr führte der neue Verein an Fastnacht den ersten Umzug in Freiensteinau durch, worauf im Anschluss daran der erste Maskenball im Saal „Zum weißen Ross“ folgte. Am Aschermittwoch, den 20. Februar, trafen sich die Aktiven zur heute noch traditionellen Nachfeier. Bis zu dieser Veranstaltung traten weitere 15 Personen dem Verein bei. Dieser Mitgliedsstand sollte viele Jahre mit geringen Schwankungen Bestand haben.
Da mehrere Gaststätteninhaber als Mitglieder dem Verein angehörten, wurde in 1902 beschlossen, dass für die Zukunft, bezüglich der Sitzungen und Veranstaltungen, jedes Jahr das Lokal gewechselt wird und zwar in der Reihenfolge, wie der Vereinsbeitritt der Lokalbesitzer stattgefunden hatte. Die Namen der Gaststätten waren „Zum weißen Ross“ (Lernz), „Zur Krone“ (Sang) und „Das blaue Wirtshaus“, später „Grüner Baum“ (Wirts). Nach sechsjähriger Amtszeit löste der bisherige Schriftführer Heinrich Diemer den ersten Vorsitzenden Urban Hausmann am 07. Februar 1907 in seinem Amt ab. Zur Seite standen ihm August Rasch, als Rechner und Konrad Schultheiß, als neuer Schriftführer.

Zum Gedenken an den Geburtstag des deutschen Kaisers, widmete der 1. Vorsitzende in der Generalversammlung am 27. Januar 1913 demselben eine „kernige“ Ansprache. In dieser Sitzung beschlossen die Anwesenden, den Umzug erstmalig auch durch unseren Nachbarort Holzmühl zu führen.

Während des ersten Weltkrieges fanden keine Veranstaltungen statt. Mit 21 verbliebenen Mitgliedern konnte am 18. Februar 1920 die erste Generalversammlung nach dem Krieg einberufen werden. Neben Heinrich Diemer führten Johannes Euler und Ludwig Scheddel die Vereinsgeschäfte. Schon drei Jahre danach durfte aufgrund der politischen Unruhen im Ruhrgebiet kein Maskenball stattfinden, ersatzweise führte man ein Theater am Faschingsdienstag auf.
Durch die Geldentwertung in 1924 stand die Vereinskasse auf dem Nullpunkt und es musste wieder von vorne angefangen werden. Im folgenden Jahr organisierte man erstmalig einen Preismaskenball, wobei die schönsten Masken mit Gebrauchsgegenständen belohnt wurden.

Zum 25-jährigen Vereinsjubiläum in 1926 ehrte man die Gründungsmitglieder im Verlauf einer „zünftigen“ Feier. Dem 1. Vorsitzenden Heinrich Diemer, der seit 25 Jahren ununterbrochen dem Vorstand angehörte, wurde hierfür ein spezieller Orden überreicht.

Im Jahr 1930 erweiterten die Mitglieder den Vorstand erstmalig und wählten Heinrich Leipold zum 2. Vorsitzenden. 1934 wurde Heinrich Diemer, nach 32 Jahren Vorstandstätigkeit, davon 26 Jahre als Vorsitzender in der Generalversammlung vom neugewählten 1. Vorsitzenden Heinrich Greulich 6. abgelöst. Dieser führte die Amtsgeschäft aber nur ein Jahr und übernahm danach das neue Amt des 2. Schriftführers. Mit Konrad Scheddel übernahm ein Mann die Verantwortung beim Kikiriki, der schon 14 Jahre als Diener im Verein tätig war. An seiner Seite standen Johannes Deuchert 4., als 2. Vorsitzender, Johannes Fehl 25., als Rechner, Johannes Deuchler, als zweiter Rechner, Heinrich Fehl 15., als Schriftführer und Heinrich Greulich, als zweiter Schriftführer. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges wurde alljährlich der Umzug mit anschließendem Maskenball abgehalten.

Von 1939 bis 1946 fanden aufgrund des Krieges keinerlei Veranstaltungen statt. Am 27. Januar 1947 wurde mit de Generalversammlung, den verbliebenen 45 Mitgliedern und den 82,26 RM in der Kasse im „blauen Wirtshaus“ die Vereinsarbeit wieder aufgenommen. Der wiedergewählte Vorsitzende Konrad Scheddel gedachte bei dieser Versammlung vor allem den Gefallenen und verstorbenen Mitgliedern Heinrich Diemer und Georg Schäfer. Mit 10 Neumitgliedern erhöhte sich der Mitgliederstand auf 55 Personen, die sich vornahmen wieder eine Fastnachtsfeier abzuhalten.

Während einer außerordentlichen Generalversammlung und der freiwilligen Bildung eines Elferrates, dem Ernst Kuchenbäcker, Fritz Merz, Heinrich Höbeler, Georg Merz 3., Heinrich Ganz 3., August Muth, Heinrich Fehl 18., Georg Fehl, Karl Hofmann, Johannes Ritter und Willi Meisel angehörten, wurde auch die Durchführung des Fastnachtsumzuges durch die Straßen von Freiensteinau beschlossen.

Erstmalig in der Vereinsgeschichte hielt man die Generalversammlung nicht kurz vor der Fastnacht ab, sondern anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums, schon am 11. November 1950 um 11:11 Uhr. Im Rahmen einer dieser Jubiläumsveranstaltungen gab es Orden und Ehrenabzeichen, die für mindestens 25-jöhrige Vereinstreue verliehen wurden. Im damaligen Protokoll sind namentlich Konrad Scheddel, als zu ehrendes Mitglied und Ernst Kuchenbäcker, als zweiter Zugführer erwähnt. Nach nun 17 Jahren gab Konrad Scheddel aufgrund seines hohen Alters das Amt des 1. Vorsitzenden am, 11. November 1952 ab. Der zu diesem Zeitpunkt 59 Mitglieder zählende Verein wählte Karl Herchenröder zum neuen Vorsitzenden und ernannte Konrad Scheddel zu ihrem Ehrenvorsitzenden.

In den folgenden Jahren wurde am Fastnachtsdienstag Maskenball abgehalten und der Aschermittwoch, den Einnahmen entsprechend, gefeiert.
Bei der Generalversammlung 1964 wählten die Mitglieder Reinhard Kuchenbäcker zum neuen Vorsitzenden und mit der Wahl von Karlheinz Knapp, als seinen Stellvertreter, ging die Verantwortung in neue Hände.
Den Vorstand ergänzten, der seit 1953 als Rechner tätige Heinrich Meisel und Karl Euler, der das Amt des Schriftführers ausübte.

Seit dieser Zeit findet der Umzug in Freiensteinau nahezu jährlich statt. Lediglich im Jahr 1991 musste der Umzug aufgrund des Golfkrieges ausfallen, ebenso 2021 und 2022 infolge der Corona-Pandemie. Zudem konnte für jede Kampagne durchgehend ein Prinzenpaar gefunden werden.
Bei dem traditionellen Umzug am Faschingsdienstag erwies es sich im Laufe der Jahre als schwierig, hierfür Kapellen zu bekommen, so verlagerte sich 1970 dieser Umzug, mit damals 10 Wagenanmeldungen auf den Faschingssonntag, wo er bis heute stattfindet.

In der Jahreshauptversammlung am 11. November 1971 nahm der 1. Vorsitzende Reinhard Kuchenbäcker die Wiederwahl nicht an und somit wurde Alois Schuster zum neuen Vorsitzenden, des nunmehr 137 Mitgliedern starken Vereins, gewählt. Zustimmung fand ein Antrag auf die Durchführung einer Fremdensitzung und schon zwei Jahre später veranstaltete man, aufgrund des regen Zuspruches, jährlich zwei Fremdensitzungen.

Anlässlich dieser Art der Veranstaltung gründete man die erste Gardegruppe des Vereins und schon kurz darauf folgte 1975 das erste Männerballett. Die steigende Zahl der Veranstaltungen und die sich daraus ergebenden neuen Aufgaben veranlassten den Verein dazu, den Vorstand mit zusätzlichen Beisitzern zu erweitern.
Durch die Ernennung des seitherigen Vorsitzenden Alois Schuster zum Ehrenvorsitzenden, nahm Karlheinz Fehl die Wahl zum 1. Vorsitzenden und Helmut Hofmann die Wahl zum 2. Vorsitzenden, innerhalb der Generalversammlung am 30. März 1985 an.
Mit über 150 Mitgliedern zählte der Verein schon damals zu einem großen dieser Art in unserer Region. In 1986 erfolgte der Beitritt zum „Bund Deutscher Karneval“ und der „Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval“ Vom Bezirk sieben wechselte man über den Bezirk vier zum heutigen neuen Bezirk neun.

Weitere Veranstaltungen wie Rathaussturm, Weiberfasching, Kinder- und Seniorensitzung kamen im Laufe der Zeit dazu und vergrößerten das Programm, das der KV Kikiriki jährlich seinen Zuschauern aus Nah und Fern bis heute noch anbietet.
Mit dem zweiten Vogelsberger Narrentreffen wurde in 1991 das 90-jährige Bestehen des Vereins im Sommer gefeiert. Tausende Besucher konnten an dem dreitägigen Fest teilnehmen und gratulierten dem Kikiriki zu seinem langen Bestehen und der erfolgreichen Vereinsarbeit. Mit Heidemarie Wieczorek-Zeul, als Enkelin unseres langjährigen Vorsitzenden Heinrich Diemer, konnte eine passende Schirmherrin gefunden werden. Die 14 Vorstandsmitglieder mit den damals schon 235 Mitgliedern hatten alle Hände voll zu tun um so ein Fest zu organisieren und durchzuführen.
Wurde früher der Veranstaltungsort unter den Wirten gewechselt, so war man schon seit längerem froh den einzig übrig gebliebenen Saal in Freiensteinau benutzen zu können. Durch die Übernahme der Bewirtung bei den Veranstaltungen kamen zusätzliche Arbeiten auf die Vereinsführung zu, aber auch der finanzielle Spielraum des Vereins verbesserte sich. Im Jahr 1997 erfolgte, einhergehend mit der Änderung der Vereinssatzung, der Eintrag ins Vereinsregister und man wurde dadurch zu einem gemeinnützig anerkannten Verein.

In der Kampagne 1998/1999 führte der Verein erstmals die Veranstaltungen im neu errichteten Bürgerhaus in Freiensteinau durch, da man den lieb gewonnen Saal Hack (Lernz) nicht weiter benutzen konnte. Neue Aufgaben und Organisationsstrukturen waren notwendig, um in dem neuen Saal zu bestehen.

Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins in 2001, für die Gernot Schobert die Schirmherrschaft übernahm, wurden im neuen Industriegebiet im Mühlfeld begangen, denn der Festplatz in Freiensteinau reichte hierfür nicht mehr aus. Ein Umzug mit mehr als 70 Gruppen, fast 2000 Zugteilnehmern und zigtausend Besuchern bildeten den Rahmen um das wohl größte und schönste Fest, das es in Freiensteinau und in der Vereinsgeschichte bis dahin gab.

Nach 27-jähriger Vorstandsarbeit, davon 18 Jahren als 1. Vorsitzender, gab Karlheinz Fehl sein Amt an der Jahreshauptversammlung am 24.05.2003 aus gesundheitlichen Gründen ab. Bei den Wahlen wurde Volker Karl zum neunten 1. Vorsitzenden der Vereinsgeschichte gewählt und übernahm mit Siglinde Muth, als 1. Frau im Amt des 2. Vorsitz, die Vereinsführung des KV Kikiriki. Karlheinz Fehl wurde an dieser Sitzung für seine langjährigen Dienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Nach vielen vergeblichen Bemühungen um eine Vereinsunterkunft, konnte am 08. Oktober 2004 die Einweihung des in Eigenleistung erstellten Vereinsheimes gefeiert werden. Dieses Heim, das in Eriskirch am Bodensee abgebaut und mit einigen Änderungen nun am Kiesslersweg in Freiensteinau aufgebaut wurde, bietet unseren Garden optimale Trainingsbedingungen und fördert das Vereinsleben. Gleichzeitig ist es natürlich auch Lager für die im Laufe der Jahre angeschafften Vereinsutensilien.

Mit 19 Vorstandskolleg*innen und über 540 Mitgliedern, davon 130 unter 18 Jahren ist der Verein bis zu seinem 111-jährigen Bestehen zu einem recht großen Verein der Gemeinde Freiensteinau herangewachsen. Über dieses Ausmaß hat sich sicherlich damals bei der Gründung des Vereins am 13.02.1901 keiner Gedanken gemacht. Mit 11 eigenen Veranstaltungen über 40 Gastauftritten während der Kampagne ist das jährliche Fastnachtsprogramm komplett ausgefüllt. Aber auch außerhalb der Kampagne wird das Vereinsleben mit Veranstaltungen gefüllt und den Mitgliedern des KV Kikiriki einiges geboten.

Ein Verein mit so viel Zuspruch und so vielen aktiven Jugendlichen wird auch in den folgenden Jahren erfolgreiche Vereinsgeschichte schreiben.

Bis hierhin stammt der Text aus der Festschrift vom 111-jährigen Bestehen und die Prophezeiung am Ende hat sich bewahrheitet. Von dem überragenden Fest mit 3-tägiger Feierei im Industriegebiet wird noch heute viel gesprochen. Ein Highlight dieses Festes ist kaum auszumachen und jeder hat vermutlich sein eigenes definiert. Von Guggemusik, über ein Konzert der Kölner Musikgruppe „Die Höhner“, 111 Tänzern und Tänzerinnen auf der Bühne zur Überraschung des Vorstandes bis hin zu einem „Sommerumzug“ inklusive Vogelsberger Narrentreffen, welches unvergessen bleibt, war an diesem Fest alles dabei.

Der Verein wächst immer weiter, und es kommen immer mehr junge Mitglieder hinzu. So zählt der Verein heute über 600 Mitglieder. Tanzgruppen gibt es mittlerweile 12 Stück darunter Männerballett, Tanzmariechen, Tanzduo, Showtanzgruppe und einige Gardetanzgruppen.

In der Jahreshauptversammlung in 2013 trat nach 10 Jahren Vorsitzendentätigkeit Volker Karl als 1. Vorsitzender zurück und Carsten Hofmann wurde gewählt. Siglinde Muth übte ihr Amt noch einige Jahre weiter aus und übergab dieses dann an Tina Euler.

Während der Corona-Pandemie konnte auch der KV Kikiriki leider keine Veranstaltungen stattfinden lassen, so wurden sich aber einige Gedanken gemacht, wenigstens in den sozialen Medien Fasching zu feiern. Wer sich das nochmal anschauen möchte, kann gerne auf der Facebook-Seite des KV Kikiriki ein bisschen stöbern.

Im Sommer 2022 wurde dann, um die „Corona-Sommerpause“ gut zu nutzen, 11×11 Jahre KV Kikiriki gefeiert. Ein erneut 3-tägiges Fest, diesmal am Parkplatz des Bürgerhauses bat gerade zu den Abendstunden mit beleuchteten Bäumen und Lichtspiel einer wahnsinnigen Bühne, ein unfassbares Ambiente. Gefeiert wurde das 121-jährige Bestehen mit einem Open-Air Konzert am Freitagabend, einem Tanz- und DJ-Abend am Samstag sowie einem Frühschoppen mit Blaskapelle am Sonntag.

Bevor dann die Kampagne 2022/2023 endlich wieder stattfinden konnte, wurde in der Jahreshauptversammlung zuvor Carsten Hofmann von Annika Herchenröder als 1. Vorsitzende abgelöst. Seitdem wird Frauenpower beim KV Kikiriki mit der doppelten weiblichen „Spitze“ großgeschrieben.

Nun steht das 125-jährige Bestehen des Vereins an – und auch wenn dies kein närrischen Jubiläum ist, wird der Verein sich sicherlich einiges einfallen lassen, auch dieses zu feiern.

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